Jäger, Julian:

Eine Stadt und ihr Flughafen

Wien ist Weltstadt und hat die 2-Millionen-Einwohnergrenze bald wieder überschritten. Die Donau-Metropole ist Sitz vieler internationaler Organisationen sowie von hunderten Unternehmen, die ihre Mittel- und Osteuropa-Zentralen hier angesiedelt haben. Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt und Zentrum einer der wirtschaftlich dynamischsten Regionen Europas. Was Wien dabei auszeichnet, ist unter anderem die hervorragende Lage im Herzen Europas. Dabei spielt die Erreichbarkeit auf allen Verkehrswegen eine wichtige Rolle – so auch in der Luft. Diese Erreichbarkeit kann nur mit hochwertiger Infrastruktur und ausreichender Kapazität gewährleistet werden. Ein gut funktionierender Flughafen mit vielen Direktverbindungen ist dafür unerlässlich.

Vienna Airport: Power House

Bereits heute ist der Standort Flughafen Wien ein enormer Faktor für die regionale Wirtschaft: 20.000 Menschen sind hier beschäftigt, über 230 Unternehmen angesiedelt. Doch die Wirkung geht weit darüber hinaus, denn zählt man etwa bei den Beschäftigungszahlen auch die indirekten (z.B. bei Zulieferern oder im Tourismus) und die induzierten (durch steigende Kaufkraft generierten) Effekte hinzu, hängen rund 60.000 Jobs an der Luftverkehrswirtschaft in und rund um Wien. In ganz Österreich erwirtschaftet die Luftfahrt insgesamt etwa 1,8% des BIP.

Wien wächst übrigens nicht nur bei der Bevölkerung. Wien Tourismus legt etwa für 2016 Rekordzahlen vor, wonach es in Wien über 15 Millionen Nächtigungen gab. Viele Tourist/innen reisen per Flugzeug an und die Tendenz ist steigend, nicht zuletzt wird auch gemeinsam mit dem Flughafen eine Wachstumsstrategie verfolgt. Den Faktor Flughafen für Unternehmensansiedelungen habe ich bereits erwähnt.

Für die Zukunft planen

Anbindung, Kapazität, Attraktivität des Standorts – all das kann langfristig nur gesichert werden, wenn die notwendige Infrastruktur rechtzeitig und in hoher Qualität zur Verfügung gestellt wird. Insbesondere brauchen wir ausreichende Kapazitäten in den Spitzenstunden, die teilweise bereits heute an ihr Limit stoßen. Aus diesem Grund verfolgt die Flughafen Wien AG seit nunmehr 17 Jahren das „Projekt 3. Piste“, wovon fünf Jahre alleine für das größte Mediationsverfahren Europas investiert wurden. Das Verfahren über die Genehmigung der Piste ist allerdings noch nicht abgeschlossen: Nachdem das BVwG im Februar zu einem negatives Erkenntnis gelangte – das öffentliche Interesse an CO2-Reduktion wiege schwerer als der gegebene Bedarf, neue Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum etc. – hat der VfGH dieses im Juni wiederum aufgehoben: Das BVwG habe „die Rechtslage mehrfach grob verkannt“. Das Verwaltungsgericht ist nun erneut am Zug. Mit einer endgültigen Entscheidung durch die Höchstgerichte ist bis 2020 zu rechnen, mit einem tatsächlichen Betrieb der 3. Piste jedoch nicht vor 2027.

Auch abseits dieses prominenten Projekts investiert der Flughafen Wien stark in seine Infrastruktur. Allen voran sind der Umbau des Terminals 2 und die Erweiterung des Terminals 3 zu nennen. Bis 2023 werden hier bis zu € 500 Mio. aufgewendet, um unseren Kunden/innen und Passagieren die besten Bedingungen bieten zu können. Doch ein Flughafen besteht nicht nur aus Landebahn und Terminal: Seit Jahren entwickelt sich die AirportCity zu einem der attraktivsten Standorte für neue Firmenansiedelungen in Ost-Österreich. Aufgrund der hohen Nachfrage wird derzeit ein neues Bürogebäude errichtet – insgesamt werden rund 25.000 m2 an Büro- und Conferencingflächen im „Office Park 4“ zur Verfügung stehen. Bis 2020 investiert die Flughafen Wien AG dafür rund € 60 Mio.

Ausblick

Wie nun aber Beispiele wie die 3. Piste eindrücklich zeigen, sind für Infrastrukturprojekte oft jahrelange Verzögerungen im Genehmigungsprozess und die damit verbundenen, enormen Verfahrenskosten ein zentrales Problem, das Österreich und überhaupt Europa möglichst schnell beseitigen muss. Denn die notwendigen Investitionen verzögern sich oder bleiben aus, obwohl die Vorhaben und das nötige Geld vorhanden wären. Dabei verlieren wir alle. Vor allem ist der (scheinbare) Widerspruch von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz zu lösen. Die 3. Piste etwa deshalb nicht zu bauen, würde bedeuten, sehr viel zu verlieren (Jobs, Unternehmen, Wachstum, Anbindung), aber nichts dabei zu gewinnen (Kein Gramm CO2 wird gespart, nur verlagert). Das ist sicherlich der falsche Weg. Denn Wien muss weiterhin gut angebunden und erreichbar sein. Nur so können wir den Wohlstand auch für kommende Generationen sichern. Der Flughafen Wien wird seinen Teil dazu beitragen!

Mag. Julian Jäger
Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG

Urban Forum, Zeitung 02/2017